Jedes Kind wird mit frühkindlichen Reflexen geboren (auch „Überlebensreflexe“ genannt). Mit zunehmender Reife des Gehirns und Entwicklung der willkürlichen motorischen Fähigkeiten müssen diese primitiven Reflexe, die zunächst die Entwicklung antreiben, gehemmt oder in sogenannte Haltungsreaktionen umgewandelt werden. Diese ermöglichen dem Kind nach gründlicher Übung im ersten Lebensjahr, mühelos und automatisch verschiedenste Bewegungsmuster und Körperhaltungen einzunehmen.
Wenn dieser Entwicklungsprozess aufgrund pränataler, perinataler oder postnataler Störungen nicht planmäßig verläuft, können einige primitive Reflexe aktiv bleiben und später die motorische Entwicklung, Augenmuskulatur, Auge-Hand-Koordination, Lateralität und Wahrnehmung beeinträchtigen. Diesen Zustand nennt man „neuromotorische Unreife“.
Solche Kinder können Schwierigkeiten bei alltäglichen Aufgaben haben, auch wenn sie äußerlich „normal“ erscheinen. Häufig werden die tatsächlichen Probleme von Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität oder Ängsten begleitet.
Die von INPP Chester (Großbritannien) entwickelte Methode bietet spezielle Test- und Therapieinstrumente, um die neuromotorische Unreife hinter Lern-, Verhaltens-, Bewegungs- und Wahrnehmungsproblemen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aufzudecken und ursachenorientiert zu behandeln.
Ablauf der Untersuchung:
Schritt 1 Zunächst findet ein ausführliches anamnestisches Interview statt (in der Regel ohne Ihr Kind), in dem detaillierte Informationen zur Schwangerschaft, Geburt, nachgeburtlichen Entwicklung sowie aktuellen Entwicklungsauffälligkeiten erfragt werden. Falls Hinweise darauf hindeuten, dass verbliebene frühkindliche Reflexe ursächlich für die Probleme sein könnten, vereinbaren wir einen weiteren Termin.
Manchmal ergibt sich jedoch bereits hier, dass Ihre Erwartungen eventuell zu hoch sind oder andere Ursachen verantwortlich sein könnten.
Schritt 2 Es folgt eine umfassende Untersuchung von etwa 2–3 Stunden (abhängig vom Alter des Kindes), um den genauen Stand der neuromotorischen Reife festzustellen.
Folgende Bereiche werden geprüft:
- Grob- und feinmotorische Koordination
- Gleichgewicht
- Bewegungsmuster der Entwicklung
- Frühkindliche (primitive) Reflexe
- Haltungs- und Positionierungsreaktionen
- Lateralität
- Augenmuskelfunktionen
- Visuelle Wahrnehmung
- Auge-Hand-Koordination
- Falls erforderlich, Sprachwahrnehmung
Als Eltern sind Sie während dieser Untersuchung anwesend.
Nach Auswertung der Tests besprechen wir mit Ihnen und Ihrem Kind die weiteren Schritte sowie das individuelle Bewegungsprogramm, welches das Kind mit Ihrer Unterstützung täglich zu Hause durchführen soll – meist über einen Zeitraum von etwa einem bis anderthalb Jahren. Die Übungen sind langsam und präzise auszuführen, detaillierte schriftliche Anleitungen werden bereitgestellt. Bei einem Folgetermin wird der Fortschritt überprüft, die Übungen demonstriert und ggf. angepasst.