Was ist die komplexe Bewegungstherapie?
Die komplexe Bewegungstherapie ist ein neuropädagogisches Förderverfahren, das von Mihályné Kulcsár entwickelt wurde. Sie basiert auf der Erkenntnis, dass das Üben bestimmter Bewegungen die schulische Leistung von Kindern positiv beeinflusst. Mihályné Kulcsár („Panni néni“) entwickelte die Bewegungsaufgaben auf Grundlage der Methode von Delacato, mit dem Bewusstsein, dass die Reifung des Nervensystems eng mit der motorischen Entwicklung verbunden ist.
Die Bewegungsübungen fördern die harmonische Zusammenarbeit beider Gehirnhälften, welche essenziell für das erfolgreiche Lernen ist. Die komplexe Bewegungstherapie stimuliert gezielt verschiedene Bereiche des Gehirns, indem sie grundlegende kindliche Bewegungsmuster erneut trainiert und sich auf die Ursachen konzentriert – insbesondere die neurologische Unreife. Dadurch ergeben sich positive Veränderungen beim Lernen, im Verhalten und im Selbstvertrauen des Kindes.
In 70-75 % der Fälle von Lernschwierigkeiten und Verhaltensstörungen liegt eine teilweise Unreife des Nervensystems zugrunde. Häufig entwickeln sich einige neurologische Bereiche langsamer als andere und funktionieren nicht altersgerecht. Daher können keine altersgemäßen Reaktionen auf äußere Reize erwartet werden.
Mithilfe einer speziellen Testreihe werden unreife neurologische Bereiche identifiziert und anschließend durch individuell abgestimmte Bewegungsübungen gezielt gefördert. Die Übungen sind personalisiert und orientieren sich am Entwicklungstempo des Kindes.
Erste Ergebnisse der Therapie können bereits nach zwei bis drei Wochen regelmäßiger, täglicher Übung sichtbar werden. Die vollständige Harmonisierung benötigt jedoch mehrere Monate, deren genaue Dauer nicht vorhersehbar ist, da sie vom individuellen Entwicklungsfortschritt des Kindes abhängt. Die täglichen Übungen nehmen etwa 15-20 Minuten in Anspruch.
Die Bewegungstherapie ersetzt nicht das schulische Lernen. Für Kinder mit normaler Intelligenz ermöglicht sie jedoch ein schulisches Mithalten ohne permanente Überforderung. Bei Kindern mit Entwicklungsbeeinträchtigungen kann die Therapie dabei helfen, Entwicklungsrückstände aufzuholen.
Erbliche Faktoren oder Verletzungen können den Erfolg der Therapie erschweren. In solchen Fällen können verbleibende Symptome wie verlangsamtes Lesen, Schreiben oder Rechnen auftreten. Stress im Zusammenhang mit schulischen Anforderungen kann die vollständige Beseitigung der Symptome zusätzlich erschweren. Hier können individuell angepasste Stressabbau-Techniken unterstützend wirken.
Das Hauptziel der Therapie ist nicht die Bewegungsentwicklung an sich, sondern die gezielte Beeinflussung neurologisch unreifer Bereiche, um die schulische Leistung und Anpassungsfähigkeit des Kindes zu fördern. Während der Therapie verbessern sich Sprachfähigkeiten, motorische Koordination, Feinmotorik, Selbstvertrauen, Ausdauer und Pflichtbewusstsein des Kindes. Zusätzlich entwickeln sich Gleichgewichtssinn, räumliche Wahrnehmung, Auge-Hand-Koordination, Orientierung im Raum sowie Körperwahrnehmung und Dominanzbildung positiv weiter.
Die komplexe Bewegungstherapie kann sowohl vor Schulbeginn zur Vorbereitung auf die Schule als auch im Grundschulalter unterstützend eingesetzt werden.